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........Träumen Violinautomaten von elektrischen Flöten, das könnte sich der Zukunftsdenker der Münchner Musikszene Karl F. Gerber fragen. Der Komponist (und diplomierte Physiker) schreibt schon für Nicht-Roboter Musik, die eine gewisse maschinelle Ästhetik atmet. In bleibender Erinnerung ist etwa eine Miniatur, die er 2013 beim Musikfest der MGNM (Münchner Gesellschaft für Neue Musik) im Schwere Reiter vorstellte: Eine kleine Cembalokomposition, die computerbasierter klang als jeder Synthesizer, aber völlig analog von zwei menschlichen Pianisten gespielt wurde. Doch über seine Musikautomaten, die zuletzt auch noch interaktiv wurden, entsteht eine Kunst, die weit mehr ist als das Faszinosum einer den Menschen imitierenden Maschine.

 

Das wohl ambitionierteste Projekt seiner Mensch-Maschinen-Musik ist der Violinautomat, dessen Prototyp Gerber 2012 im Deutschen Museum erstmals vorgestellt hatte. Geige, dieses an sich so schwierige Instrument, bei dem man Hören muss, ob man den richtigen Ton spielt, in die Obhut einer Maschine zu geben, erscheint zunächst tendenziell größenwahnsinnig. Und dann auch wieder ganz drängend:

 

Denn hier, im Gehör, in der musikalischen Einordnung der Wahrnehmung. muss da nicht irgendwo der Unterschied zwischen Mensch und Automat liegen? Wenn man nun den Violinautomaten in Aktion sieht, entsteht etwas erschreckend Faszinierendes. Es ist eine Maschine, deren Automatik und Innenleben in zahlreichen Kabeln, Gelenken, Platinen, drei Bögen und vielen Haken (für die Pizzicati und die unterschiedlichen Tonhöhen) offensichtlich ist. Irgendwo darunter liegt die Violine wie in einem Sarg.

 

Doch der Schauer dieses technisierten Künstlers wird erst so richtig spürbar, wenn er zu spielen beginnt. Denn er reagiert. Er kann auf die menschliche und sehr grandiose Flötistin Karina Erhard als musikalischen Partner reagieren. Daraus entsteht im Stück »Approaches« (2020 im Schwere Reiter uraufgeführt) ein zunächst sanft barockisiertes Stück aus dem sich allmählich Unmenschliches herauskristallisiert. Etwa, wenn die Bögen des Automaten so blitzschnell über die nur dreisaitige Geige ziehen. Notenwert? Einhundertachtundzwanzigstel. Oder noch mehr? So schnell, dass nur ein Tremolo-Zittern übrig bleibt, das von überwältigender Regelmäßigkeit ist. Scharf wie eine Stichsäge. Wie das Schaudern des menschlichen Körpers angesichts so übermenschlicher Maschinen........

 

 

 

RITA ARGAUER im Münchner Feuilleton Dezember 2021, Seite 28

 

 

 

 ...seine mechanische Geigenmaschine, die sowohl in ihrer klanglichen als auch in ihrer technischen Offenbarung fasziniert.
(Mit deepL aus dem Schwedischen)

 

Johanna Paulsson in Dagens Nyheter 4.Mai 2019

 

 

 

 

 

 

In Zeiten zunehmender Virtualisierung gehen drei Musiker einen anderen Weg: Klänge werden zwar elektronisch kontrolliert, aber was schwingt sind Luftsäulen, Saiten, Felle oder Holzstäbe. Damit wir die natürliche Verbindung zwischen Ton und Klangquelle suchtbar. Jedes mechanisch-akustische Instrument ist gleichzeitig eine einzigartige Klangskulptur.....

 

 

Münchner Feuilleton, Favoriten der Redaktion Juli 2017

 

 

 

Ein besonderes Unikat ist der Violinenautomat von Karl F. Gerber, weil hier das wohl diffizilste traditionelle Musikinstrument weiterinterpretiert wird: die Violine. Vielleicht geht es mehr um Polyrhythmen auf drei unabhängigen Bögen als um Belcato. Und erweiterte Spieltechniken jetzt auch bei Musikautomaten? Durch das gewählte Konzept visualisieren sich die Klänge selbst.

 

 

Programmheft „Das Eröffnungsfestival: 100 Jahre Bauhaus“, 2019

 

 

 

 

.......Do violin automatons dream of electric flutes, the future thinker of the Munich music scene Karl F. Gerber might ask. The composer (and graduate physicist) already writes music for non-robots that breathes a certain machine aesthetic. One lasting memory, for example, is a miniature he presented in 2013 at the MGNM (Munich Society for New Music) music festival at the Schwere Reiter: a small harpsichord composition that sounded more computer-based than any synthesizer, but was played completely analog by two human pianists. But through his music automata, which most recently also became interactive, an art emerges that is far more than the fascination of a machine imitating humans.

 

 

Probably the most ambitious project of his human-machine music is the violin automaton, the prototype of which Gerber presented for the first time at the Deutsches Museum in 2012. Placing the violin, an instrument that is so difficult in itself and requires listening to hear whether one is playing the right note, in the care of a machine seems at first to be megalomaniacal. And then again quite urgent:


For here, in hearing, in the musical classification of perception. must there not be somewhere the difference between man and automaton? When one now sees the violin automaton in action, something frighteningly fascinating emerges. It is a machine whose automatism and inner workings are evident in numerous cables, joints, circuit boards, three bows and many hooks (for the pizzicati and the different pitches). Somewhere underneath, the violin lies as if in a coffin.

 


But the shiver of this engineered artist is really felt when he begins to play. For he responds. He can react to the human and very grandiose flutist Karina Erhard as his musical partner. From this emerges in the piece "Approaches" (premiered in 2020 at the Schwere Reiter) an initially gently baroqueized piece from which the inhuman gradually crystallizes. For example, when the bows of the automaton move so lightning-fast over the violin, which only has three strings. Note value? One hundred and twenty-eighth. Or even more? So fast that all that remains is a tremolo tremor that is of overwhelming regularity. Sharp as a jigsaw. Like the shudder of the human body in the face of such superhuman machines.......

 

RITA ARGAUER in Münchner Feuilleton December 2021, Page 28.

 

 

 

...sin mekaniska Violinmaskin, fascinerande i såväl sin klangliga som tekniska uppenbarelse.

 Johanna Paulsson in Dagens Nyheter 4th May 2019.

 

 

 ...his mechanical violin machine, fascinating in both its tonal and technical revelation. (Translated with deepL from Swedish)

 Johanna Paulsson in Dagens Nyheter 4th May 2019

 

 

 

 

In times of increasing virtualization, three musicians take a different approach: sounds are electronically controlled, but what vibrates are air columns, strings, skins or wooden sticks. Thus the natural connection between sound and sound source becomes searchable. Each mechanical-acoustic instrument is at the same time a unique sound sculpture......

 


Münchner Feuilleton, Editor's Favorites July 2017

(Translated with deepL)

 

 

 A truly special unicum is the Violinautomat by Karl F. Gerber, because it further interprets what ist probably the most difficult traditional musical instrument - the violin. Perhaps it´s more about polyrhythms on three seperate bows than about bel canto. And enhanced playing techniques with musical automats as well now? The sounds visualise themselvese through the chosen concept.

 

Program Booklet „Das Eröffnungsfestival: 100 Jahre Bauhaus“, 2019 

 



Von Komponisten                      Composers Comments

In Facebook Group Homemade Instruments

posted 2020, 24. Juni um 22:13

 

Computer driven snare drum: Computermusic without loudspeakers...

 

 

"Das lässt mich denken, dass Computermusik so armselig ist; beschränkt auf das, was man auf einem rechteckigen Bildschirm sehen und über einen Lautsprecher hören kann. Hier sehe ich eine echte Maschine mit vielen beweglichen Teilen, die mit einer Snaredrum auf eine Weise interagiert, die komplexe und nuancierte Klänge erzeugt. Sie hat ihre eigene Form, Fortsätze und bewegt sich mechanisch. Die daraus resultierende Musik ist etwas, das nicht menschlich ist, aber es ist offensichtlich, dass ein Mensch die Situation geschaffen hat. Sie ist cool, eine Art von Steam-Punk." 2020-06-25

(Edgar Girtain, Direktor, Casa de Las Artes bei Universidad Austral de Chile Sede Puerto Montt)
Übersetzt mit www.DeepL

 

 

Zur Aufführung „Anregungen“ für Violinautomat 2017 in der Akademie der Künste, Berlin

"Es ist unglaublich, was für ein Spektrum an Gefühlen diese Maschine in mir auslöst hat: Von Entsetzen über bewunderndes Staunen bis zu amüsiertem Lachen: Entsetzen über den Anblick der >>armen Geige<<, die da wehrlos eingespannt ziemlich unsanft von drei Geigenbögen gleichzeitig traktiert wird, Belustigung über die teilweise absurden Bewegungen, zu denen die Steuermotoren die Geigenbögen gebracht haben, aber auch Bewunderung über die irre Komplexität dieser Maschine.

Das wäre natürlich noch eine gigantische Erweiterung:
Feedback...das der Klang der Geige wiederum die Steuerung in Echtzeit beeinflusst ....wow...“
(Jan Jacob Hofmann, Frankfurt, Komponist, Architekt und Fotograf 2017-10-10)

 

From Facebook Group Homemade Instruments

posted 2020, 24. Juni um 22:13

 

Computer driven snare drum: Computermusic without loudspeakers...Eigenklang Research by K.F. Gerber 2018-08-20“

 

„This makes me think that computer music is so poor; limited to what can be seen on a rectangular screen and heard through a speaker. Here I see a real machine with many moving parts, interacting with a snare drum in a way that produces complex and nuanced sounds. It has its own shape, appendages, and moves mechanically. The resulting music is something not human, but it's obvious that a human crafted the situation. It's cool, kind of steam-punk.“ 2020-06-25

 

 

 

(Edgar Girtain, Director, Casa de Las Artes bei Universidad Austral de Chile Sede Puerto Montt)

 

 

 

Regarding Performance  „Anregungen“ für Violinautomat 2017 at Akademie der Künste, Berlin

 

"It's incredible the range of emotions this machine can produce ...has caused me: From horror to admiring astonishment to amused laughter: Horrified at the sight of the >>poor violin<<, which
defencelessly clamped rather rough from three violin bows at the same time is maltreated, amusement about the partly absurd movements, to which the control motors brought the violin bows, but also Admiration at the mind-boggling complexity of this machine.

This would be a gigantic expansion, of course:
Feedback... that the sound of the violin in turn controls the real-time influenced ... wow ..“

 

 

 


(Jan Jacob Hofmann, Frankfurt, composer, architect and photographer 2017-10-10)

 


 

Saarbrücker Zeitung 6.11.2022

 

 

Musikautomaten erzeugen spezielle Klangwelten

 

SAARBRÜCKEN (kek) Baut Fischertechnik jetzt auch Musikinstrumente? Das fragt man sich angesichts dieser skurrilen metallischen Konstruktionen: Wie von Geisterhand geführt streichen rechts 16 Geigenbögen vor sich hin, während links, von einer Stehlampe ins rechte Licht gesetzt, in einer Installation Hackbrett-Saiten von maschinellen Hämmerchen zum Klingen gebracht werden. „Streichpsalter" und „Zitherautomat" heißen die originellen Klangerzeuger, die mechanisch funktionieren, aber elektronisch, per Computer oder Midi-Controller, gesteuert werden. Folgerichtig begreift sich ihr Erfinder Karl F. Gerber als „Musikmechatroniker". Und spätestens beim Anblick und Quäken der - hier allerdings nur perVideoprojektion präsenten - künstlich beatmeten Altblockflöte, bei der unter anderem ein mit Helium gefüllter Luftballon als Blasebalg fungiert, müssen einige im Publikum herzlich lachen. Staunen und Schmunzeln waren durchaus erwünscht beim Auftakt des kleinen, aber feinen Musikfestivals „eviMus":

Am Donnerstag starteten in der Kantine des Kulturzentrums am Eurobahnhof (KuBa) die „Saarbrücker Tage für elektro-akustische und visuelle Musik" in ihre neunte Ausgabe. Wobei „Roboterjazz", der Titel des Eröffnungskon-zerts, in die Irre führte: „Es handelt sich vielmehr um eine Interaktion mit Musikautomaten", erläuterte Gerber.

Den menschlichen Part dabei hatten Gerber selbst und die Flötistin Karina Erhard. Sie agierte mit Querflöten in verschiedenen Tonhöhen live mit Gerbers Maschinenpark und bediente sich eines ganzen Arsenals an Fußpedalen, um Klangeffekte abzurufen. Dabei blies sie mal nach arrangierten Noten, mal improvisierte sie - auch im Dialog mit Gerber, der als Weltneuheit seinen „Sensorarray" vorstellte. Dabei handelt es sich um ein hybrides Instrument, das mittels 32 analoger Sensoren, deren Signale digital weiterverarbeitet werden, berührungslos gesteuert wird. Partiell aufleuchtende LED-Ketten dienen dem Spieler dabei zur besseren Orientierung.

Von der Funktion her ist dieser durch gestisches Navigieren im dreidimensionalen Datenraum

 zu bedienende Klangerzeuger dem Theremin vergleichbar, wobei dieses wesentlich präziser, aber einstimmig ist - der polyphone „Sensorar-ray" verkörpert quasi 16 Theremtins gleichzeitig.

Außerdem kann Gerber seine Musikautomaten ansteuern und in Echtzeit den Klang von Erhards Querflöten beeinflussen, die wiederum allein durch ihre Positionierung und Bewegung im Raum das akustische Geschehen beeinflusst.

 Ein faszinierendes Erlebnis.

 

 

Saarbrücker Newspaper 6.11.2022


Music automatons create special sound worlds
SAARBRÜCKEN (kek) Does Fischertechnik now also build musical instruments? One wonders in view of these bizarre metallic constructions: As if guided by a ghostly hand, 16 violin bows are bowing away on the right, while on the left, set in the right light by a floor lamp, dulcimer strings are made to sound by little machine hammers in an installation. "Streichpsalter" and "Zitherautomat" are the names of these original sound generators, which function mechanically but are controlled electronically, by computer or midi controller. Consequently, their inventor Karl F Gerber sees himself as a "music mechatronics maker". And at the latest at the sight and squawking of the artificially breathed alto recorder - here, however, only present via video projection - in which, among other things, a helium-filled balloon functions as a bellows, some in the audience have to laugh heartily. Amazement and smiling were definitely desired at the start of the small but fine music festival "eviMus":

 

 

 

On Thursday, the "Saarbrücken Days for Electro-Acoustic and Visual Music" started into their ninth edition in the canteen of the cultural center at the Eurobahnhof (KuBa). The title of the opening concert, "Robot Jazz," was misleading: "It's more about interaction with music machines," Gerber explained.

 

The human part was played by Gerber himself and the flutist Karina Erhard. She played flutes in various pitches live with Gerber's machinery and used a whole arsenal of foot pedals to call up sound effects. Sometimes she blew according to arranged notes, sometimes she improvised - also in dialogue with Gerber, who presented his "Sensorarray" as a world novelty. This is a hybrid instrument that is controlled without touching it by means of 32 analog sensors whose signals are processed digitally. Partially illuminated LED strips help the player to find his way around.

 
In terms of function, this sound device, which can be operated by gestural navigation in the three-dimensional data space, is comparable to the theremin, although the latter is much more precise but monophonic - the polyphonic "Sensorar-ray" virtually embodies 16 Theremins simultaneously.
In addition, Gerber can control his music automatons and influence the sound of Erhard's transverse flutes in real time, which in turn influence the acoustic events solely through their positioning and movement in the room.

A fascinating experience.

 


Texts, Program Notes

What is Formelimprovisation?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Programmtext von 1999. Zur Abgrenzung von Livecoding (2004?) nenne ich es Formelimprovisation; das "Coden" steht hinter dem Musikmachen zurück.... Also habe ich bereits 1999 formelimprovisation und livecoding betrieben "avant la lettre".

 

 

 

modulo="\" (1999) (4-channel live electronics, algorithmic computer music)

 

The alleged connection between mathematics and music has occupied me from a musical perspective for many years: the possibility of "improvising" is important to me.

The title of the piece refers to the mathematical operation of calculating the remainder. Applied to an ascending sequence of numbers, it generates repetitive patterns e.g. 0, 1, 2, 0, 1' 2, which form the basis for the organisation of sound parameters.

My playing attitude moves between improvisation and listening selection, on the one hand changing prepared structures from within and on the other hand evaluating and exploring the resulting sequences of events.

The playing is explorative in the sense that spontaneous changes are made to mathematical formulas whose results are only partially predictable for me. The control of a process interests me here more than the targeted joining of individual objects.

Sound masses, polyrhyhthms, spatial patterns and fanned out cyclical sequences always retain a high degree of transparency and an impression of order and power, even when different parameters are linked and increased complexity and density is achieved.

 

At transitions from rough surface sounds, which approach granular synthesis to polyrhythms and finally to gliding patterns of minimal music, we touch fascinating border areas of rhythm in the intermediate areas. Structure and as yet unheard-of relationships form the numerical series here; they guide us through music between music

 

A program text from 1999. To distinguish it from livecoding (2004?) I call it formelimprovisation; the "coding" is behind the music making.... So I already did formelimprovisation and livecoding "avant la lettre" in 1999.


 

 

 

Bereits einige Jahre vor Livecoding begann ich mit der Formelimprovisation. Als Praktiker verfasste ich keine Papers. 

 

Gleichwohl kann die frühe öffentliche Präsentation nicht bestritten werden...aus dem Programmheft der 1998 International Computer Music Conference in Ann Arbor, Michigan, USA.

 

 

 

 

 

 Already some years before Livecoding I started with the formula improvisation. As a practitioner I did not write any papers. 

Nevertheless, the early public presentation cannot be denied...from the program booklet of the 1998 International Computer Music Conference in Ann Arbor, Michigan, USA. 

Don´t Block the Flöte, Program notes (Langversion Deutsch korrigiert 2021-10-06)

 Pdf Version download (German)

Don´t Block the Flöte (2021) Karl F. Gerber (*1954) ca. neun Minuten

 

zweiter Satz, für Altblockflötenautomat und Querflöte

 

In der Geschichte der elektronischen Musik war eine Zeitlang das Zuspielband beliebt: im Studio produzierte Klänge konnten – auch ver-räumlicht- in den Konzertsaal gebracht werden.

 

Ich hatte diese “Tapes“ vermieden, doch durch die gebotene Unmittelbarkeit und Präsenz der akustischen Musikautomaten ergeben sich andere Möglichkeiten. Solange die Maschine nicht „interaktiv“ reagiert (Computermusik ohne Lautsprecher) biete ich dafür den Begriff „Zuspielband ohne Lautsprecher“ an.

 

Nach Automaten mit Saiteninstrumenten habe ich erstmals ein Blasinstrument automatisiert: die „moderne Altblockflöte“ von Mollenhauer. Sie bietet ein perfektes Obertonverhalten. Von bekannten „Flötenrobotern“ weiche ich ab in mehrfacher Weise: die Finger können kontinuierliche Abstände vom Griffloch einnehmen für mikrotonale „Griffe“. Gängigen Klangskulpturen mit Zugmagneten (Solenoids) ist das verwehrt, Das Labium kann -ebenfalls bei kontinuierlich veränderlichem Abstand- abgedeckt werden. Als weitere Möglichkeit, die menschlichen Spieler versagt sein sollte kann ich die das Tongas der Blas-Luft schrittweise durch Helium ersetzen und dessen höhere Schallgeschwindigkeit klanglich nutzen. Der technische Aufbau ist transparent und leichtgewichtig. Damit möchte ich in Touristen -Koffern wie in der Vergangenheit Flug-Reisen zu Konzerten unternehmen, und Kosten für Sperrgut vermeiden.

 

Als Automat ohne „Eigenleben“ kann diese kinetische Klangskulptur nicht als Roboter im engeren Sinn bezeichnet werden – der Sprachgebrauch ist aber dabei sich zu wandeln.

 

 

 

Die kompositorische Vorarbeit geschieht parallel zu Bau des Apparats. Experimentell wird das akustische Verhalten der einzelnen Komponenten erforscht. High-Tech ist kaum vertreten, sondern pragmatisches Probieren, Analysieren und Aufzeichnen. Zu nennen sind Anblasdruck (nach Literaturstellen50 bis 500 Pascal von Radialgebläse), Druck-Vibrato von Mini-Kompressor (Grenzwert 1 Bar) und Blasdruckmodulation, durch verschlossenen Basslausprecher: die Frequenz analog durch LFO Signal (bis über 20Hz) und analoges VCA Signal (Eigenentwicklung mit Chips ICL8038 bzw.AS3360). Schließlich habe ich noch das Helium nutzbar gemacht, es soll durch Magnetventile gesteuert werden. Der Anblasdruck liegt wiederum weit unter 1Bar. Die Druckmessung erfolgt durch Digitalmanometer bzw. Flaschen-Druckminderer. Am Ende entscheidet das Gehör. Weiterer Parameter sind die Überlappung der „Lippe“ beim Anblasen über den Wind-Kanal und Position bzw. Anpressdruck der Finger.

 

Die Grifflöcher solcher Blockflöten sind oft „unterschnitten“, d.h. führen nicht senkrecht in das Mittel-Rohr, dies stellt eine weitere Herausforderung dar. 

 

Nach gemeinsamer Charakterisierung von Tonhöhen und Dynamik (Palette) wurde durch Formelimprovisation durch Speichern von MIDI-Daten eine Materialsammlung erstellt. Diese musikalischen Patterns werden dann in einem Sequenzer-Programm grafische komponierte (arrangiert). Dort wird punktuell die Quer-Flötenstimme dazu notiert. Die Blockflötenstimme dieser digitalen Partitur kann nun auf der Maschine abgespielt und als Tonspur (oder Video) zur Übe-zwecken festgehalten werden.

 

 

 

Die Solistin der Uraufführung Karina Erhard hat das Projekt seit den Anfängen der Entwicklung über Monate begleitet und wichtige Anregungen geliefert. Damit bereitet sie sich auf die Herausforderungen diese keineswegs üblichen performativen Setups meistern.

 

Karina Erhard spielt hier den zweiten Satz aus der Komposition „Don´t Block the Flöte“.

 

Eine Germischte (deutsche-englische) Anspielung auf die Besetzung Querflöte und mechatronische akustische (Alt)Blockflöte, englische Verballhornungen wäre „Recorder without the Tape o.ä.“,

 

On Approaches: Excerpt from Proceedings of the xCoAx2021 Conference, Paper

 

and from NIME 2021, Programme Notes.

Installation at Berklee 2019